Premiere ,Die Kontrakte des Kaufmanns' im Kleine~ Haus

Kapitalismuskritik im Chor


DRESDEN - Wo die Bürger gemeint sind, sollen sie auch selbst zu Worte kommen, mögen sich die Verantwortlichen des Dresdner Staatsschauspiels gedacht haben und inszenierten Elfriede Jelineks .Die Kontrakte des Kaufmanns" mit dem Dresdner Bürgerchor. Am Freitagabend war Premiere im Kleinen Haus.

Der Originaltext der Nobelpreisträgerin ist ein bitterböser, ungebremst- mo-' nologisierender Wortschwall, 99 Seiten lang, inspiriert von der Finanzkrise, über deren Mechanismen und Auswirkungen. Die Uraufführung in Köln vor drei

Jahren erreichte mit rund vier Stunden Dauerwagnerianisches Zeitmaß.

Keine Handlung, keine Rollen, kein Stück im eigentlichen Sinne, sondern einfach nur Text. Jelinek klagt an und macht sich lustig, nicht nur über die Haifische im Kapitalismusbecken, auch über die Sprotten gewinnsüchtiger Kleinanleger und, natürlich, über die Kirche. Manches ist brillant gedacht und formuliert, anderes bemüht und platt.

Bernd Freytag hat den Rohstoff auf . 24 Seiten (90 Minuten) eingedampft. Vor einer Art Altar, der zugleich einen überdimensionalen Sarg abgibt, lässt er seine 17 Choristen zunächst in Mönchskutten, dann in Alltagsklamotten zu einer Bachkantate (.Actus Tragicus") monologisieren.

Ein kleines Meisterstück ist hier gelungen: Die Choristen imponieren mit hoher Sprechkultur, sind unerhört sicher in Rhythmus und Synchronität. Die Freude am Spiel ist ihnen anzumerken, sie überträgt sich auf das

ublikum. Rennt diese antikapitalistische Wirtschaftskomödie inhaltlich zwar offene Türen ein, ist sie, zusammengestrichen aufs Wesentliche,in ihrer galligen Bosheit doch ein großer Spaß. Viel Applaus. gg

Morgenpost 21.03.2011

Starke Bilder. Die Sinnlichkeit und die in dieser Aufführung geradezu greifbare Identifikation gehen über eine analytische, nur auf hohe Sprachkunst bauende Polemik hinaus. Es geht, wie bei allen bisherigen Auftritten des Bürgerchors, um die Urform des Theaters, auch bei einem solch widersprüchlichen Thema letztlich um Solidarisierung. Die fand dann beim Publikum auf ganz eigene Weise statt. Es war, als begriffen die Besucher erst allmählich, dass das individuell Aufgenommene auch beim Nachbar angekommen war, und so steigerte sich der zunächst verhaltene Beifall fast bis zur Euphorie.“

Dresdner Neueste Nachrichten


Es ist beeindruckend, mit wie viel Rhythmus, Witz, Spielfreude und Leichtigkeit die Darsteller, allesamt Laien, dieses Textungetüm stemmen.“

Sächsische Zeitung

„Kontrakte des Kaufmanns “, wieder am 23.06. und 03.07.2011

Kartentelefon 0351/ 4913-555

Fotos: Mattthias Horn